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Der Zwerg Nase

Die Zeit Haruns Al-Raschid[38]38
  die Zeit Haruns Al-Raschid – времена Гаруна аль-Рашида


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, des Beherrschers von Bagdad, Feen und Zauberer ist nicht gegangen. Noch heute gibt es Feen. Es ist nicht so lange her, dass ich die Genien sah.

In einer Stadt meines lieben Vaterlandes, Deutschlands, lebte vor vielen Jahren ein Schuster mit seiner Frau. Er saß an der Ecke der Straße und flickte Schuhe und Pantoffel. Seine Frau verkaufte Gemüse und Früchte. Sie pflanzte die Gemüse und Früchte in einem kleinen Gärtchen. Viele Leute kauften gerne bei ihr. Sie war reinlich und sauber gekleidet.

Sie hatten einen schönen Knaben. Er war zwölf Jahre alt. Aber war er ziemlich groß. Er saß gewöhnlich bei der Mutter auf dem Gemüsemarkt. Er half den Weibern oder Köchen. Er trug die Früchte nach Hause. Und selten kam er zurück ohne eine schöne Blume oder ein Stückchen Geld oder Kuchen. Die Herrschaften beschenkten ihn reichlich.

Eines Tages saß die Frau des Schusters auf dem Markte. Sie hatte vor sich einige Körbe mit Kohl und anderem Gemüse, Kräuter und Sämereien. Auch in einem kleineren Körbchen frühe Birnen, Äpfel und Aprikosen. Der kleine Jakob, so hieß der Knabe, saß neben ihr. Er rief mit die Waren aus[39]39
  rief mit die Waren aus – зазывал покупателей


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:

«Hierher, ihr Herren, seht, welch schöner Kohl, wie wohlriechend diese Kräuter! Frühe Birnen, ihr Frauen, frühe Äpfel und Aprikosen! Wer kauft?«

So rief der Knabe. Da kam ein altes Weib über den Markt her. Sie sah etwas zerrissen und zerlumpt aus. Sie hatte ein kleines, spitziges Gesicht. Sie hatte rote Augen und eine spitzige, gebogene Nase. Sie ging an einem langen Stock, und doch konnte man nicht sagen, wie sie ging. Sie hinkte, rutschte und wankte.

Die Frau des Schusters betrachtete dieses Weib aufmerksam. Nie hat sie diese sonderbare Frau bemerkt. Aber sie erschrak, als die Alte auf sie hinkte zu und an ihren Körben stillestand.

«Seid Ihr Hanne, die Gemüsehändlerin?«fragte das alte Weib.

«Ja, die bin ich«, antwortete die Schustersfrau,»ist Euch etwas gefällig?«

«Ich will sehen! Kräutlein schauen, Kräutlein schauen, ob du hast, was ich brauche«, antwortete die Alte.

Sie beugte sich nieder vor den Körben. Dann fuhr sie mit ein Paar dunkelbraunen, hässlichen Händen in den Kräuterkorb hinein. Sie packte die Kräutlein mit ihren langen Spinnenfingern. Sie brachte sie dann eines um das andere hinauf an die lange Nase. Die Frau beroch sie hin und her.

Die Frau des Schusters wagte nichts zu sagen. Es war das Recht des Käufers, die Ware zu prüfen. Dann murmelte die Alte:

«Schlechtes Zeug, schlechtes Kraut, nichts von allem, was ich will. Es war viel besser vor fünfzig Jahren. Schlechtes Zeug, schlechtes Zeug!«

Solche Reden verdrossen nun den kleinen Jakob.

«Höre, du bist ein unverschämtes altes Weib«, rief er unmutig,»erst fährst du mit deinen garstigen braunen Fingern in die schönen Kräuter hinein! Dann drückst du sie zusammen! Dann hältst du sie an deine lange Nase. Niemand wird das kaufen! Und jetzt schimpfst du noch unsere Ware schlechtes Zeug. Aber doch kauft selbst der Koch des Herzogs alles bei uns!«

Das alte Weib lachte widerlich und sprach:

«Söhnchen, Söhnchen! Also gefällt dir meine Nase, meine schöne, lange Nase? Warte mal. Du wirst dieselbe haben. Nur warte mal.«

Während sie so sprach, rutschte sie an den anderen Korb, in welchem Kohl war. Sie nahm die weißen Kohlhäupter in die Hand. Sie drückte sie zusammen, dass sie ächzten, warf sie dann wieder unordentlich in den Korb. Dann sprach sie auch hier:

«Schlechte Ware, schlechter Kohl!«

«Wackle nur nicht so garstig mit dem Kopf hin und her!«rief der Junge ängstlich.»Dein Hals ist so dünne wie ein Kohlstengel! Dein Kopf wird hinein in den Korb fallen. Wer wird dann noch kaufen?«

«Gefallen sie dir nicht, die dünnen Hälse?«murmelte die Alte.»Du wirst keinen Hals haben! Dein Kopf wird in den Schultern stecken, vom kleinen Körperlein.«

«Nun, nun«, sagte endlich die Frau des Schusters,»macht nicht solchen Quatsch[40]40
  macht nicht solchen Quatsch – не мелите ерунды


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! Wenn Ihr etwas kaufen wollt, so sputet Euch.«

«Gut, wie du sagst«, rief die Alte,»ich will dir diese sechs Kohlhäupter abkaufen. Aber siehe, ich muss mich auf den Stab stützen. Ich kann nichts tragen. Erlaube deinem Söhnlein, dass es mir die Ware nach Hause bringt. Ich will es dafür belohnen.«

Der Kleine wollte nicht mitgehen und weinte, denn ihm graute vor der hässlichen Frau. Aber die Mutter befahl es ihm. So raffte er die Kohlhäupter in ein Tuch zusammen. Dann folgte er dem alten Weibe über den Markt hin.

Sie ging nicht sehr schnell. Sie brauchte drei Viertelstunden, bis sie in einen ganz entlegenen Teil der Stadt kam. Endlich hielten sie vor einem kleinen, baufälligen Hause. Dort zog sie einen alten, rostigen Haken aus der Tasche. Dann fuhr sie damit in ein kleines Loch in der Türe. Plötzlich sprang diese auf.

Der kleine Jakob trat ein. Aber wie war er überrascht! Das Innere des Hauses war prachtvoll ausgeschmückt. Von Marmor war die Decke und die Wände, die Gerätschaften vom schönsten Ebenholz, mit Gold und geschliffenen Steinen eingelegt. Der Boden war von Glas.

Die Alte aber zog ein silbernes Pfeifchen aus der Tasche. Sie pfiff eine Weise darauf. Da kamen sogleich einige Meerschweinchen die Treppe herab. Sie gingen auf zwei Beinen. Sie hatten menschliche Kleider und sogar Hüte nach der neuesten Mode[41]41
  nach der neuesten Mode – по последней моде


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auf die Köpfe.

«Wo habt ihr meine Pantoffeln, schlechtes Gesindel?«rief die Alte.

Die Alte schlug mit dem Stock nach ihnen. Die Meerschweinchen sprangen in die Höhe.

«Wie lange soll ich noch so dastehen?«

Die Meerschweinchen sprangen schnell die Treppe hinauf. Dann kamen sie wieder mit ein paar Schalen von Kokosnuss, mit Leder gefüttert.

Jetzt war alles Hinken und Rutschen vorbei. Die Frau warf den Stab von sich. Sie glitt über den Glasboden hin. Sie zog den kleinen Jakob an der Hand mit. Endlich hielt sie in einem Zimmer stille. Jakob sah die Tische von Mahagoniholz und die Sofas, mit reichen Teppichen.

«Setze dich, Söhnchen«, sagte die Alte freundlich.»Setze dich, das ist schwer. Die Menschenköpfe sind nicht so leicht, nicht so leicht.«

«Aber, Frau, was sprechet Ihr so wunderlich?«rief der Kleine.»Müde bin ich zwar, aber es waren ja Kohlköpfe. Ihr habt sie meiner Mutter abgekauft.«

«Nein, das ist falsch«, lachte das Weib.

Sie deckte den Deckel des Korbes auf. Dann brachte sie einen Menschenkopf hervor. Der Kleine war vor Schrecken außer sich.

«Warte mal. Ich muss dir nun auch etwas geben. Du bist so artig«, murmelte die Alte,»ich will dir ein Süppchen einbrocken.«

So sprach sie und pfiff wieder. Da kamen zuerst viele Meerschweinchen in menschlichen Kleidern. Sie hatten Küchenschürzen und im Gürtel Rührlöffel und Tranchiermesser. Dann kamen die Eichhörnchen. Die hatten weite türkische Beinkleider an. Sie gingen aufrecht. Auf dem Kopf trugen sie grüne Mützchen von Samt. Diese waren die Küchenjungen. Sie brachten Pfannen und Schüsseln, Eier und Butter, Kräuter und Mehl herab. Sie trugen es auf den Herd. Dort aber fuhr die alte Frau auf ihren Pantoffeln von Kokosschalen beständig hin und her. Sie wollte ihm etwas Gutes kochen.

Jetzt knisterte das Feuer empor. Ein angenehmer Geruch verbreitete sich im Zimmer. Die Alte aber rannte auf und ab. Die Eichhörnchen und Meerschweine rannten ihr nach auch. Die Frau guckte mit ihrer langen Nase in den Topf. Da nahm sie ihn weg und goss davon in eine silberne Schale und setzte sie dem kleinen Jakob vor.

«So, Söhnchen, so«, sprach sie,»iss nur dieses Süppchen, dann hast du alles, was dir an mir so gefallen[42]42
  was dir an mir so gefallen – что тебе во мне так понравилось


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. Du sollst auch ein Koch werden. Aber Kräutlein, nein, das Kräutlein sollst du nimmer finden. Warum hat es deine Mutter nicht in ihrem Korb?«

Der Kleine verstand nicht, was sie sprach. Er behandelte die Suppe, die ihm schmeckte. Der Duft von feinen Kräutern und Gewürzen stieg aus der Suppe auf. Und war die Suppe süß und säuerlich und sehr stark. Die Meerschweinchen zündeten arabischen Weihrauch an. Der Geruch des Weihrauches wirkte auf den Kleinen. Schlief er endlich auf dem Sofa des alten Weibes ein.

Sonderbare Träume kamen über ihn. Die Alte ziehe ihm seine Kleider aus. Dann hülle sie ihn mit einem Eichhörnchenbalg[43]43
  hülle sie ihn mit einem Eichhörnchenbalg – закутала его в беличью шкуру


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. Jetzt konnte er springen und klettern wie ein Eichhörnchen. Er war mit den übrigen Eichhörnchen und Meerschweinen. Er hatte mit ihnen den Dienst bei der alten Frau.

Zuerst war er Schuhputzer. Nach einem Jahre, träumte er weiter, musste er mit noch einigen Eichhörnchen Sonnenstäubchen fangen. Die Frau hatte keinen Zahn mehr, so kochte sie ihr Brot aus Sonnenstäubchen.

Wiederum nach einem Jahr musste er das Trinkwasser für die Alte sammelten. Die Eichhörnchen, und Jakob mit ihnen, mussten mit Haselnussschalen den Tau aus den Rosen schöpfen. Das war das Trinkwasser der Alten. Sie trank viel, so hatten die Wasserträger schwere Arbeit.

Nach einem Jahr musste er die Böden reinmachen. Es war keine geringe Arbeit.

Im vierten Jahr ging er endlich zur Küche. Es war ein Ehrenamt. Jakob diente dort vom Küchenjungen aufwärts bis zum ersten Pastetenmacher.

So waren etwa sieben Jahre im Dienste des alten Weibes vergangen. Da musste er ein Hühnlein rupfen. Die Alte nahm zur Hand Korb und Krückenstock und ging weg. Er tat alles. Er drehte dem Hühnlein den Kragen um. Er brühte es in heißem Wasser. Er zog ihm die Federn aus. Sodann fing Jakob an, die Kräuter zu sammeln.

In der Kräuterkammer gewahrte er ein Wandschränkchen. Jakob ging neugierig näher. Es standen viele Körbchen darinnen. Er öffnete eines dieser Körbchen. Der Junge fand darin Kräutlein von ganz besonderer Gestalt und Farbe. Die Stengel und Blätter waren blaugrün. Sie trugen oben eine kleine Blume. Die Blume war rot und gelb. Jakob betrachtete diese Blume. Sie strömte starken Geruch aus. Der Geruch war so stark, dass er zu niesen anfing. Und erwachte der Kerl.

Da lag er auf dem Sofa des alten Weibes. Er blickte verwundert umher.

«Nein, wie man aber so träumen kann!«sprach er zu sich.»Ich war ein schnödes Eichhörnchen, ein Kamerad von Meerschweinen! Dann war ich ein großer Koch. Wie wird die Mutter lachen! Ich will ihr alles erzählen. Und sie wird auch schmälen, dass ich in einem fremden Hause schlafe. Ich muss ihr auf dem Markte helfen!«

Mit diesen Gedanken raffte er sich auf, um hinwegzugehen. Aber waren seine Glieder ganz steif, besonders sein Nacken. Er konnte den Kopf nicht hin und her bewegen. Und stieß er mit der Nase an einen Schrank oder an die Wand. Die Eichhörnchen und Meerschweinchen liefen um ihn her. Dann fuhren sie auf ihren Nussschalen schnell ins Haus zurück.

Es war ein ziemlich entlegener Teil der Stadt. Er konnte sich kaum aus den engen Gassen herausfinden. Auch war dort ein großes Gedränge. Überall hörte er:

«O, seht den hässlichen Zwerg! Wo kommt der Zwerg her? Was hat er doch für eine lange Nase![44]44
  Was hat er doch für eine lange Nase! – Ну и длинный же у него нос!


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Aber wie ihm der Kopf in den Schultern steckt! Und die braunen, hässlichen Hände!«

«Zu einer andern Zeit sehe ich den Zwerg«, dachte Jakob.»Jetzt muss ich zur Mutter kommen.«

Die Mutter saß noch da. Sie hatte noch ziemlich viele Früchte im Korb. Und war sie sehr traurig. Er zauderte, was er tun sollte. Endlich schlich er sich hinter sie hin. Er legte traulich seine Hand auf ihren Arm und sprach:

«Mütterchen, was fehlt dir? Bist du böse auf mich?«

Die Frau wandte sich um nach ihm. Dann fuhr sie mit einem Schrei des Entsetzens zurück.

«Was willst du von mir, hässlicher Zwerg? Fort, fort!«rief sie.

«Aber Mutter, was hast du denn?«fragte Jakob.»Warum willst du deinen Sohn von dir jagen?«

«Ich habe dir schon gesagt, gehe deines Weges!«entgegnete Frau Hanne.»Bei mir verdienst du kein Geld, hässliche Missgeburt!«

«Liebe Mütterchen«, sprach der Junge,»ich bin ja dein Sohn, dein Jakob!«

«Nein! Sieh nur den hässlichen Zwerg da!«rief Hanne ihrer Nachbarin zu.»Da steht er und vertreibt mir alle Käufer! Und spricht er zu mir: ich bin ja dein Sohn, dein Jakob! Der Unverschämte!«

Da erhoben sich die Nachbarinnen. Sie schalten ihn, dass er des Unglückes der armen Hanne spotten kann. Vor sieben Jahren ihr bildschöner Knabe gestohlen war. Die Nachbarinnen drohten ihn zu zerkratzen.

«Geh weg! Verschwinde!«

Der arme Jakob wusste nicht, was er denken sollte. Er ist doch heute frühe wie gewöhnlich mit der Mutter auf den Markt gekommen. Er hat ihr helfen. Dann ist er mit dem alten Weib in ihr Haus gekommen. Er hat ein Süppchen verzehrt. Und hat er ein kleines Schläfchen gemacht. Aber sprachen die Mutter und die Nachbarinnen von sieben Jahren! Und sie nannten ihn einen garstigen Zwerg!

Jakob ging nach der Bude, wo sein Vater über Schuhe flickte.

«Ich will doch sehen«, dachte er,»ob er mich auch nicht kennen will. Unter die Türe will ich mich stellen und mit ihm sprechen.«

Als er an der Bude des Schusters angekommen war, stellte er sich unter die Türe. Dann schaute er hinein. Der Meister war mit seiner Arbeit beschäftigt. Aber warf er einen Blick nach der Türe und rief:

«Was ist das?! Was ist das?!«

«Guten Abend, Meister!«sprach der Kleine.»Wie geht es Euch?«

«Schlecht, schlecht, kleiner Herr!«antwortete der Vater.»Das Geschäft will mir nicht recht von der Hand. Ich bin allein und alt.«

«Aber habt Ihr denn kein Söhnlein? Er kann bei der Arbeit helfen, nicht wahr?«sagte Jakob.

«Ich hatte einen. Er hieß Jakob. Als er zwölf Jahre alt war, zeigte er sich anstellig und geschickt. Aber hübsch und angenehm war er auch.«

«Wo ist denn aber Euer Sohn?«fragte Jakob.

«Das weiß Gott«, antwortete er,»vor sieben Jahren, ja, so lange war er vom Markt gestohlen.«

«Vor sieben Jahren!«rief Jakob mit Entsetzen.

«Ja, kleiner Herr, vor sieben Jahren! Mein Weib kam nach Hause. Das Kind war nicht zurückgekommen. Sie hat überall gesucht und niemand gefunden. Ich habe es immer gedacht und gesagt. Der Jakob war ein schönes Kind. Meine Frau war stolz auf ihn. Aber sagte ich: gib acht[45]45
  gib acht – будь внимательна


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! Die Stadt ist groß. Viele schlechte Leute wohnen da. Und so war es, wie ich sagte. Kommt einmal ein altes, hässliches Weib auf den Markt. Nimmt sie Früchte und Gemüse. Kauft sie so viel, dass sie es nicht selbst tragen kann. Mein Weib gibt ihr den Jungen mit und hat ihn nicht mehr gesehen.«

«Und das ist jetzt sieben Jahre, sagt Ihr?«

«Sieben Jahre wird es im Frühling. Wir gingen von Haus zu Haus und fragten. Die Leute suchten mit uns, alles vergeblich. Auch die alte Frau niemand sah. Aber ein steinaltes Weib sagte: es kann die böse Fee Kräuterweis sein. Alle fünfzig Jahre einmal kommt sie in die Stadt.«

So sprach Jakobs Vater. Dem Kleinen war alles klar. Er hat nicht geträumt! Sieben Jahre bei der bösen Fee als Eichhörnchen hat er gedient. Sieben Jahre seiner Jugend hat ihm die Alte gestohlen! Er stand und dachte über sein Schicksal nach. Endlich fragte ihn sein Vater:

«Ist Euch vielleicht etwas von meiner Arbeit gefällig, junger Herr? Etwa ein Paar neue Pantoffeln oder vielleicht ein Futteral für Eure Nase?«

«Für meine Nase?«fragte Jakob.»Warum brauche ich ein Futteral dazu?«

«Nun«, sagte der Schuster,»das muss ich Euch sagen: das ist eine schreckliche Nase. Schau mal, da habe ich ein schönes Stückchen. Wie gut ist es! Ich weiß, Ihr stoßt es an jedem Türpfosten und an jedem Wagen.«

Der Kleine betastete seine Nase. Sie war dick und wohl zwei Hände lang! So hat also die Alte auch seine Gestalt verwandelt! Darum schalt man ihn einen hässlichen Zwerg!

«Meister«, sprach Jakob zu dem Schuster,»habt Ihr keinen Spiegel?«

«Junger Herr«, sagte der Vater,»Ihr habt keine Ursache, alle Stunden in den Spiegel zu gucken. So eine lächerliche Gewohnheit!«

«Ach, lassen Sie mich doch in den Spiegel schauen!«rief der Kleine.

«Lassen Sie mich in Ruhe, ich habe keinen. Meine Frau hat ein Spiegelchen. Ich weiß aber nicht, wo. Über der Straße hin wohnt Urban, der Barbier. Er hat einen Spiegel, zweimal so groß als Euer Kopf!«

Mit diesen Worten schloss der Vater die Türe hinter ihm zu und setzte sich wieder zur Arbeit. Der Kleine aber ging über die Straße zu Urban, dem Barbier.

«Guten Morgen, Urban«, sprach er zu ihm,»lasset mich ein wenig in Euren Spiegel schauen!«

«Mit Vergnügen, dort steht er«, rief der Barbier.»Ihr seid ein hübsches Bürschchen. Schlank und fein, ein Hälschen wie ein Schwan. Händchen wie eine Königin, und ein Stumpfnäschen, man kann es nicht schöner sehen!«

So sprach der Barbier, und Gelächter füllte die Badestube. Der Kleine aber war indes vor den Spiegel getreten. Er hat sich beschaut. Tränen traten ihm in die Augen.

«Ja, so kannst du freilich deinen Jakob nicht wiedererkennen, liebe Mutter«, sprach er zu sich.

Seine Augen waren klein wie die der Schweine. Seine Nase war ungeheuer und hing über Mund und Kinn herunter. Der Hals ist gänzlich wegkommen. Sein Kopf stak tief in den Schultern. Nur mit den größten Schmerzen konnte er ihn rechts und links bewegen. Sein Körper war noch so groß als vor sieben Jahren, da er zwölf Jahre alt war. Dieser dicke Oberleib saß auf kleinen, schwachen Beinchen. Seine Hände waren grob und braungelb. Seine Finger waren lang und spinnenartig. Wenn er sie recht ausstreckte, konnte er damit auf den Boden reichen. So sah er aus, der kleine Jakob!

Jetzt gedachte er auch jenes Morgens, an welchem das alte Weib an die Körbe seiner Mutter getreten war. Alles, was er damals an ihr getadelt hat, die lange Nase, die hässlichen Finger, alles hat sie ihm angetan.

«Nun, habt Ihr Euch jetzt genug beschaut, mein Prinz?«sagte der Barbier.»Wahrlich, Ihr seid so komisch! Ich will Euch einen Vorschlag machen, kleiner Mann. Tretet bei mir in Dienste, kleiner Mann. Ihr sollt Wohnung, Essen, Trinken, Kleider, alles sollt Ihr haben. Dafür stellt Ihr Euch morgens unter meine Türe und ladet die Leute ein, hereinzukommen!«

Der Kleine sagte dem Barbier daher ganz ruhig, dass er nicht Zeit hat. Dann ging der Zwerg weiter.

Das böse alte Weib hat seine Gestalt verändert. Und er dachte und fühlte nicht mehr, wie vorher. Er war weiser und verständiger. Er trauerte um seine verlorene Schönheit nicht. Und beschloss er, noch einen Versuch bei seiner Mutter zu machen.

Er trat zu ihr auf den Markt und bat sie, ihm ruhig zuzuhören. Er erinnerte sie an alle einzelnen Vorfälle seiner Kindheit. Er erzählte ihr, wie er sieben Jahre als Eichhörnchen bei der Fee gedient hat und wie sie ihn verwandelte.

Die Frau des Schusters wusste nicht, was sie denken soll. Aber wenn er davon sprach, dass er sieben Jahre lang ein Eichhörnchen war, da sprach sie:

«Es ist unmöglich! Und es gibt keine Feen!«

Sie verabscheute den hässlichen Zwerg und glaubte nicht, dass dies ihr Sohn ist. Endlich wollte sie mit ihrem Mann darüber sprechen. Sie raffte ihre Körbe zusammen und hieß ihn mitgehen. So kamen sie zu der Bude des Schusters.

«Sieh einmal«, sprach sie,»der Mensch da will unser verlorener Jakob sein. Er hat mir alles erzählt. Er war vor sieben Jahren gestohlen. Er war von einer Fee bezaubert.«

«So?«unterbrach sie der Schuster mit Zorn.»Hat er dir dies erzählt? Warte, du Range! Ich habe ihm alles erzählt, noch vor einer Stunde! Bezaubert bist du, mein Söhnchen? Warte doch, ich will dich wieder entzaubern!«

Dabei nahm er ein Bündel Riemen und sprang auf den Kleinen zu. Dann schlug er ihn auf den hohen Rücken und auf die langen Arme. Vor Schmerz schrie der Kleine auf und lief davon.

Den ganzen Tag blieb der unglückliche Zwerg ohne Speise und Trank. Abends sah er die Treppen einer Kirche. Sie waren hart und kalt. Da schlief er.

Als ihn die ersten Strahlen der Sonne erweckten, da dachte er über alles. Er fühlte sich zu stolz, um als Aushängeschild eines Barbiers zu dienen. Was soll er anfangen? Als Eichhörnchen, hat er große Fortschritte in der Kochkunst.

Am Morgen trat Jakob seinen Weg an. Der Herzog, der Herr des Landes, war ein bekannter Schlemmer und Lecker[46]46
  Schlemmer und Lecker – гурман и лакомка


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. Er liebte eine gute Tafel. Er suchte seine Köche in allen Weltteilen auf. Zu seinem Palast begab sich der Kleine. Dann verlangte er nach dem Oberküchenmeister. Die Türhüter lachten und führten ihn durch die Vorhöfe. Wo er hinkam, schauten die Diener nach ihm und lachten weidlich. Die Stallknechte warfen ihre Striegel weg. Es war ein Gewühl. Das Geschrei füllte die Lüfte:

«Ein Zwerg, ein Zwerg! Habt ihr den Zwerg gesehen?«

Da erschien der Aufseher des Hauses in der Türe:

«Ihr Hunde! Wisset ihr nicht, dass der Herr noch schläft?«

«Ach Herr«, riefen die Türhüter,»seht Ihr denn nicht? Da bringen wir einen Zwerg, einen Zwerg!«

Der Aufseher des Palastes sagte:

«Mein Söhnchen, was willst du? Du willst Leibzwerg beim Herzog werden. Ist es nicht?«

«Nein, Herr!«antwortete der Zwerg.»Ich bin ein geschickter Koch. Der Oberküchenmeister kann meine Kunst brauchen.«

«Als Leibzwerg hast du keine Arbeit und Essen und Trinken nach Herzenslust und schöne Kleider. Doch, wir wollen deine Kunst sehen.«

Bei diesen Worten nahm ihn der Aufseher des Palastes bei der Hand und führte ihn in die Gemächer des Oberküchenmeisters.

«Gnädiger Herr«, sprach dort der Zwerg und verbeugte sich so tief, dass er mit der Nase den Fußteppich berührte,»brauchet Ihr keinen geschickten Koch?«

Der Oberküchenmeister betrachtete ihn und sprach:

«Wie? Bist du ein Koch? O, lieber Kleiner! Wer dich zu mir geschickt hat, der hat dich zum Narren gehabt.«

So sprach der Oberküchenmeister und lachte weidlich. Und mit ihm lachte der Aufseher des Palastes.

Der Zwerg aber sagte:

«Was liegt an einem Ei, an ein wenig Sirup und Wein, an Mehl und Gewürze in einem Hause, wo man dessen genug hat?«sprach er.»Bald sagt Ihr: er ist ein echter Koch.«

«Gut«, rief der Küchenmeister und nahm den Aufseher des Palastes unter dem Arme,»gehen wir zur Küche!«

Sie gingen durch mehrere Säle und kamen endlich in die Küche. Es war ein großes Gebäude. Auf zwanzig Herden brannten beständig Feuer. Die Schränke waren von Marmor und Holz gemacht. Küchenbediente liefen umher, rasselten und hantierten mit Kesseln und mit Pfannen, mit Gabeln und Schaumlöffeln.

«Was hat der Herr heute zum Frühstück befohlen?«fragte der Meister den ersten Frühstückmacher.

«Herr! Die dänische Suppe hat er geruht. Und rote Hamburger Klößchen[47]47
  Hamburger Klößchen – гамбургские клецки


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«Gut«, sprach der Küchenmeister weiter,»hast du gehört, was der Herr speisen will?«

«Nichts leichter als dies«, erwiderte der Zwerg, denn er hat diese Speisen als Eichhörnchen oft gemacht,»nichts leichter! Zu der Suppe brauche ich die und die Kräuter[48]48
  die und die Kräuter – такую-то и такую-то зелень


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, dies und jenes Gewürz[49]49
  dies und jenes Gewürz – эти и другие пряности


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. Und Fett von einem wilden Schwein, Wurzeln und Eier. Zu den Klößchen brauche ich viererlei Fleisch, etwas Wein, Entenschmalz, Ingwer und ein gewisses Kraut, das man Magentrost heißt[50]50
  das man Magentrost heißt – которую называют «желудочное утешение»


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«Ha! Bei St. Benedikt! Bei welchem Zauberer hast du gelernt?«rief der Koch mit Staunen.»Alles hat er gesagt!«

«Lassen wir ihn die Probe machen«, sagte der Oberküchenmeister.»Gebt ihm die Sachen, die er verlangt, Geschirr und alles!«

So machten sie. Aber konnte der Zwerg an den Herd nicht reichen. Man setzte daher ein paar Stühle zusammen und legte eine Marmorplatte darüber. In einem großen Kreis standen die Köche, Küchenjungen, Diener und allerlei Volk umher und sahen zu.

Als alles fertig war, dann fing er an zu zählen, eins, zwei, drei und so fort. Gerade als er fünfhundert gezählt hatte, rief er:

«Halt!«

Der Kleine lud den Küchenmeister ein, zu kosten.

Der Küchenmeister kostete, drückte die Augen zu und sprach dann:

«Köstlich, köstlich! Wollet Ihr nicht auch ein Löffelchen zu Euch nehmen, Aufseher des Palastes?«

Der Aufseher des Palastes nahm den Löffel, versuchte und war sehr zufrieden.

«Kleiner! Du bist Meister in der Kunst. Ja, das Kräutlein Magentrost, das gibt allem einen ganz eigenen Reiz.«

Plötzlich kam der Kammerdiener des Herzogs in die Küche und berichtete, dass der Herr das Frühstück wollte. Die Speisen waren auf silberne Platten gelegt und dem Herzog zugeschickt. Bald kam ein Bote und rief den Oberküchenmeister zum Herrn. Er folgte dem Boten.

Der Herzog sah sehr vergnügt aus.

«Höre, Küchenmeister«, sprach er,»ich bin mit deinen Köchen immer sehr zufrieden. Aber sage mir, wer hat heute mein Frühstück bereitet? Sage an, wie er heißt, der Koch, dass wir ihm einige Dukaten zum Geschenk schicken.«

«Herr, das ist eine wunderbare Geschichte!«antwortete der Oberküchenmeister und erzählte, wie man ihm heute einen Zwerg gebracht.

Der Herzog ließ den Zwerg vor sich rufen. Dann fragte er ihn aus, wer er ist und woher er kommt. Jakob erzählte, er ist ohne Vater und Mutter. Und hat er bei einer alten Frau kochen gelernt. Der Herzog fragte nicht weiter.

«Willst du bei mir bleiben«, sprach er,»so will ich dir jährlich fünfzig Dukaten und ein Festkleid und noch zwei Paar Beinkleider geben. Dafür musst du aber täglich mein Frühstück selbst bereiten. Und sollst du Nase heißen. Und jetzt bist du Unterküchenmeister!«

Der Zwerg Nase fiel nieder vor dem mächtigen Herzog. Er küsste ihm die Füße und versprach, ihm treu zu dienen.

So fand der Kleine seine Arbeit. Seit der Zwerg Nase im Hause war, schien alles umgewandelt. Der Herr aß jetzt statt dreimal des Tages fünfmal. Er war leutselig und angenehm und wurde von Tag zu Tag fetter.

Der Zwerg war das Wunder der Stadt. So lebte Nase beinahe zwei Jahre in äußerlichem Wohlleben und Ehre. Nur der Gedanke an seine Eltern betrübte ihn.

Der Zwerg Nase war besonders geschickt und glücklich in seinen Einkäufen. Daher ging er selbst auf den Markt, um Geflügel und Früchte einzukaufen. Eines Morgens ging er auch auf den Gänsemarkt und forschte nach schweren, fetten Gänsen.

Da sah er ganz am Ende einer Reihe in einer Ecke eine Frau. Zu dieser trat er, maß und wog ihre Gänse. Sie waren, wie er sie wünschte. Er kaufte drei mit dem Käfigt. Er lud sie auf seine breite Schulter und trat den Rückweg an. Nur zwei von diesen Gänsen schnatterten, wie rechte Gänse. Die dritte war ganz still. Sie ächzte wie ein Mensch.

«Sie ist halb krank«, sprach er vor sich hin,»ich muss eilen. Ich muss sie umbringen und zurichten.«

Aber die Gans antwortete ganz deutlich und laut:

 
«Stichst du mich,
So beiß ich dich.
Drückst du mir die Kehle ab,
Bring ich dich ins frühe Grab.«
 

Der Zwerg Nase setzte seinen Käfigt nieder. Die Gans sah ihn mit schönen, klugen Augen an und seufzte.

«Ach so!«rief der Zwerg Nase.»Sie kann sprechen! Das habe ich nicht gedacht. Aber ich will wetten. Sie ist nicht von jeher in diesen Federn gewesen. War ich ja selbst einmal ein schnödes Eichhörnchen.«

«Du hast recht«, erwiderte die Gans.»Ach, an meiner Wiege sang man nicht, dass Mimi, des großen Wetterbocks Tochter, in der Küche eines Herzogs getötet werden soll!«

«Sei Sie doch ruhig, liebe Jungfer Mimi«, tröstete der Zwerg,»ich bin ein ehrlicher Kerl und Unterküchenmeister Seiner Durchlaucht[51]51
  Unterküchenmeister Seiner Durchlaucht – младший придворный повар Его Светлости


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. Niemand wird Sie essen. Sie werden genug Futter haben. Ich werde meine freie Zeit Ihrer Unterhaltung widmen. Den übrigen Küchenmenschen werde ich sagen, dass ich eine Gans für den Herzog habe. Dann setze ich Sie in Freiheit.«

Die Gans dankte ihm. Der Zwerg schlachtete die zwei anderen Gänse, für Mimi aber baute er einen eigenen Stall.

Er gab ihr auch kein gewöhnliches Gänsefutter. So oft er freie Zeit hatte, ging er hin. Sie erzählten sich auch gegenseitig ihre Geschichten. Die Gans ist eine Tochter des Zauberers Wetterbock, der auf der Insel Gotland lebt. Er war in Streit geraten mit einer alten Fee. Zur Rache hat die Fee sie in eine Gans verwandelt.

Als der Zwerg Nase ihr seine Geschichte ebenfalls erzählt hat, sprach sie:

«Ich bin erfahren in diesen Sachen. Mein Vater hat mir und meinen Schwestern einige Anleitung gegeben. Du bist auf Kräuter bezaubert[52]52
  auf Kräuter bezaubert – заколдованный травами


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. Wenn du das Kraut auffindest, so kannst du erlöst werden.«

Aber wo soll er das Kraut ausfinden? Doch dankte er ihr.

Um diese Zeit bekam der Herzog einen Besuch von einem Fürsten, seinem Freunde. Er sprach zum Zwerg:

«Jetzt ist die Zeit gekommen. Dienst du mir treu? Bist du Meister deiner Kunst? Dieser Fürst ist ein großer Kenner einer feinen Küche. Er ist auch ein weiser Mann. Dabei darfst du, bei meiner Ungnade, solange er da ist, keine Speise zweimal bringen. Dafür kannst du dir von meinem Schatzmeister alles reichen lassen, was du nur brauchst. Und wenn du Gold und Diamanten in Schmalz backen musst, so tue es!«

So sprach der Herzog. Der Zwerg aber sagte:

«Es sei, wie du sagst[53]53
  Es sei, wie du sagst. – Будь по-твоему.


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, o Herr! Ich werde alles machen.«

Der kleine Koch suchte nun seine ganze Kunst hervor. Er schonte die Schätze seines Herrn nicht. Man sah ihn den ganzen Tag in eine Wolke von Rauch und Feuer in der Küche.

Der fremde Fürst war schon vierzehn Tage beim Herzog. Er lebte herrlich und in Freuden. Sie speisten des Tages nicht weniger als fünfmal. Der Herzog war zufrieden mit der Kunst des Zwerges. Er sah Zufriedenheit auf der Stirne seines Gastes.

Am fünfzehnten Tage rief der Herzog den Zwerg zur Tafel. Er fragt, wie der Fürst mit dem Zwerg zufrieden ist.

«Du bist ein wunderbarer Koch«, antwortete der fremde Fürst.»Aber sage mir doch, warum bringst du so lange nicht die Königin der Speisen, die Pastete Souzeraine[54]54
  die Pastete Souzeraine – паштет «Сюзерен»


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? Morgen musst du diese Pastete auf die Tafel setzen!«

Der Zwerg war sehr erschrocken. Er hat von dieser Pastetenkönigin nie gehört. Doch antwortete er:

«O Herr! Es sei, wie du sagst!«

Dann ging der Zwerg weg. Aber war er sehr traurig. Der Tag seiner Schande und seines Unglücks ist gekommen. Er wusste nicht, wie er die Pastete machen soll. Er ging daher in seine Kammer und weinte über sein Schicksal. Da trat die Gans Mimi zu ihm und fragte ihn nach der Ursache seines Jammers.

«Stille deine Tränen«, sagte sie,»dieses Gericht kam oft auf meines Vaters Tisch. Ich weiß ungefähr, was man dazu braucht. Du nimmst dies und jenes, so und so viel.«

So sprach Mimi. Der Zwerg aber sprang auf vor Freuden. Dann machte er die Königin der Pasteten. Er machte zuerst einen kleinen Versuch. Das war herrlich!

Den anderen Tag schickte er die Pastete auf die Tafel. Er selbst zog sein bestes Festkleid an und ging in den Speisesaal. Als er eintrat, war der Obervorschneider im Saal. Auf einem silbernen Schäufelein gab er die Pastete dem Herzog und seinem Gaste. Der Herzog sprach:

«Ah! Ah! Ah! Mit Recht nennt man dies die Königin der Pasteten. Aber mein Zwerg ist auch der König aller Köche! Nicht also, lieber Freund?«

Der Gast nahm einige kleine Bissen zu sich, kostete und prüfte aufmerksam.

«Das Ding ist recht artig gemacht«, antwortete er,»aber… Das ist keine Souzeraine.«

Da runzelte der Herzog vor Unmut die Stirne und errötete vor Beschämung.

«Hund!«rief er.»Wie wagst du es, deinem Herrn dies anzutun? Soll ich dir deinen großen Kopf abhacken?«


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