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Текст книги "Das Buch der Bilder"


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Автор книги: Rainer Maria


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Von den Fontänen
 
Auf einmal weiß ich viel von den Fontänen,
den unbegreiflichen Bäumen aus Glas.
Ich könnte reden wie von eignen Tränen,
die ich, ergriffen von sehr großen Träumen,
einmal vergeudete und dann vergaß.
 
 
Vergaß ich denn, daß Himmel Hände reichen
zu vielen Dingen und in das Gedränge?
Sah ich nicht immer Großheit ohnegleichen
im Aufstieg alter Parke, vor den weichen
erwartungsvollen Abenden, – in bleichen
aus fremden Mädchen steigenden Gesängen,
die überfließen aus der Melodie
und wirklich werden und als müßten sie
sich spiegeln in den aufgetanen Teichen?
 
 
Ich muß mich nur erinnern an das Alles,
was an Fontänen und an mir geschah, –
dann fühl ich auch die Last des Niederfalles,
in welcher ich die Wasser wiedersah:
Und weiß von Zweigen, die sich abwärts wandten,
von Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten,
von Teichen, welche nur die Uferkanten
schwachsinnig und verschoben wiederholten,
von Abendhimmeln, welche von verkohlten
westlichen Wäldern ganz entfremdet traten
sich anders wölbten, dunkelten und taten
als wär das nicht die Welt, die sie gemeint...
 
 
Vergaß ich denn, daß Stern bei Stern versteint
und sich verschließt gegen die Nachbargloben?
Daß sich die Welten nur noch wie verweint
im Raum erkennen? – Vielleicht sind wiroben,
in Himmel andrer Wesen eingewoben,
die zu uns aufschaun abends. Vielleicht loben
uns ihre Dichter. Vielleicht beten viele
zu uns empor. Vielleicht sind wir die Ziele
von fremden Flüchen, die uns nie erreichen,
Nachbaren eines Gottes, den sie meinen
in unsrer Höhe, wenn sie einsam weinen,
an den sie glauben und den sie verlieren,
und dessen Bildnis, wie ein Schein aus ihren
suchenden Lampen, flüchtig und verweht,
über unsere zerstreuten Gesichter geht....
 
Der Lesende
 
Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag,
mit Regen rauschend, an den Fenstern lag.
Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr:
mein Buch war schwer.
Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen,
die dunkel werden von Nachdenklichkeit,
und um mein Lesen staute sich die Zeit. –
Auf einmal sind die Seiten überschienen,
und statt der bangen Wortverworrenheit
steht: Abend, Abend... überall auf ihnen.
Ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen
die langen Zeilen, und die Worte rollen
von ihren Fäden fort, wohin sie wollen...
Da weiß ich es: über den übervollen
glänzenden Gärten sind die Himmel weit;
die Sonne hat noch einmal kommen sollen. –
Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht:
zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute,
dunkel, auf langen Wegen, gehn die Leute,
und seltsam weit, als ob es mehr bedeute,
hört man das Wenige, das noch geschieht.
 
 
Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe,
wird nichts befremdlich sein und alles groß.
Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe,
und hier und dort ist alles grenzenlos;
nur daß ich mich noch mehr damit verwebe,
wenn meine Blicke an die Dinge passen
und an die ernste Einfachheit der Massen, –
da wächst die Erde über sich hinaus.
Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen:
der erste Stern ist wie das letzte Haus.
 
Der Schauende
 
Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.
 
 
Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.
 
 
Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
unssovom großen Sturm bezwingen, –
wir würden weit und namenlos.
 
 
Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
willnicht von uns gebogen sein.
Das ist der Engel, der den Ringern
des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen
im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern
wie Saiten tiefer Melodien.
 
 
Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
dergeht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.
Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.
 
Aus einer Sturmnacht
 
Die Nacht, vom wachsenden Sturme bewegt,
wie wird sie auf einmal weit – ,
als bliebe sie sonst zusammengelegt
in die kleinlichen Falten der Zeit.
Wo die Sterne ihr wehren, dort endet sie nicht
und beginnt nicht mitten im Wald
und nicht an meinem Angesicht
und nicht mit deiner Gestalt.
Die Lampen stammeln und wissen nicht:
lügenwir Licht?
Ist die Nacht die einzige Wirklichkeit
seit Jahrtausenden...
 
 
In solchen Nächten kannst du in den Gassen
Zukünftigen begegnen, schmalen blassen
Gesichtern, die dich nicht erkennen
und dich schweigend vorüberlassen.
Aber wenn sie zu reden begännen,
wärst du ein Langevergangener
wie du da stehst,
langeverwest.
Doch sie bleiben im Schweigen wie Tote,
obwohl sie die Kommenden sind.
Zukunft beginnt noch nicht.
Sie halten nur ihr Gesicht in die Zeit
und können, wie unter Wasser, nicht schauen;
und ertragen sie's doch eine Weile,
sehn sie wie unter den Wellen: die Eile
von Fischen und das Tauchen von Tauen.
 
 
In solchen Nächten gehn die Gefängnisse auf.
Und durch die bösen Träume der Wächter
gehn mit leisem Gelächter
die Verächter ihrer Gewalt.
Wald! Sie kommen zu dir, um in dir zu schlafen,
mit ihren langen Strafen behangen.
 
 
Wald!
 
 
In solchen Nächten ist auf einmal Feuer
in einer Oper. Wie ein Ungeheuer
beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen
Tausende, die sich in ihm drängen,
zu kauen.
Männer und Frauen
staun sich in den Gängen,
und wie sich alle aneinander hängen,
bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit.
Und niemand weiß mehrwerganz unten litt;
während ihm einer schon das Herz zertritt,
sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen,
die dazu hingehn...
 
 
In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen,
fangen dieHerzenin den Sarkophagen
vergangner Fürsten wieder an zu gehn;
und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen
gegen die Kapseln, welche widerstehn,
daß sie die goldnen Schalen weitertragen
durch Dunkel und Damaste, die zerfallen.
Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen.
Die Glocken, die sich in die Türme krallen,
hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen,
und an den Trägern zittert jedes Glied:
als trügen seinen gründenden Granit
blinde Schildkröten, die sich rühren.
 
 
In solchen Nächten wissen die Unheilbaren:
wir waren...
Und sie denken unter den Kranken
einen einfachen guten Gedanken
weiter, dort, wo er abbrach.
Doch von den Söhnen, die sie gelassen,
geht der Jüngste vielleicht in den einsamsten Gassen;
denn geradedieseNächte
sind ihm als ob er zum ersten Mal dächte:
lange lag es über ihm bleiern,
aber jetzt wird sich alles entschleiern –,
und: daß er das feiern wird,
fühlt er...
 
 
In solchen Nächten sind alle die Städte gleich,
alle beflaggt.
Und an den Fahnen vom Sturm gepackt
und wie an Haaren hinausgerissen
in irgend ein Land mit ungewissen
Umrissen und Flüssen.
In allen Gärten ist dann ein Teich,
an jedem Teiche dasselbe Haus,
in jedem Hause dasselbe Licht;
und alle Menschen sehn ähnlich aus
und halten die Hände vorm Gesicht.
 
 
In solchen Nächten werden die Sterbenden klar,
greifen sich leise ins wachsende Haar,
dessen Halme aus ihres Schädels Schwäche
in diesen langen Tagentreiben,
als wollten sie über der Oberfläche
des Todes bleiben.
Ihre Gebärde geht durch das Haus
als wenn überall Spiegel hingen;
und sie geben – mit diesem Graben
in ihren Haaren – Kräfte aus,
die sie in Jahren gesammelt haben,
welche vergingen.
 
 
In solchen Nächten wächst mein Schwesterlein,
das vor mir war und vor mir starb, ganz klein.
Viel solche Nächte waren schon seither:
Sie muß schon schön sein. Bald wird irgendwer
sie frein.
 
Die Blinde
 
Der Fremde:
Du bist nicht bang, davon zu sprechen?
Die Blinde:
Nein.
Es ist so ferne. Das war eine andre.
Die damals sah, die laut und schauend lebte,
die starb.
Der Fremde:
Und hatte einen schweren Tod?
Die Blinde:
Sterben ist Grausamkeit an Ahnungslosen.
Stark muß man sein, sogar wenn Fremdes stirbt.
Der Fremde:
Sie war dir fremd?
Die Blinde:
– Oder: sie ists geworden.
Der Tod entfremdet selbst dem Kind die Mutter. –
Doch es war schrecklich in den ersten Tagen.
Am ganzen Leibe war ich wund. Die Welt,
die in den Dingen blüht und reift,
war mit den Wurzeln aus mir ausgerissen,
mit meinem Herzen (schien mir), und ich lag
wie aufgewühlte Erde offen da und trank
den kalten Regen meiner Tränen,
der aus den toten Augen unaufhörlich
und leise strömte, wie aus leeren Himmeln,
wenn Gott gestorben ist, die Wolken fallen.
Und mein Gehör war groß und allem offen.
Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind:
die Zeit, die über meine Haare floß,
die Stille, die in zarten Gläsern klang, –
und fühlte: nah bei meinen Händen ging
der Atem einer großen weißen Rose.
Und immer wieder dacht ich: Nacht und: Nacht
und glaubte einen hellen Streif zu sehn,
der wachsen würde wie ein Tag;
und glaubte auf den Morgen zuzugehn,
der längst in meinen Händen lag.
Die Mutter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer
hinunterfiel vom dunklen Gesicht,
der Mutter rief ich: »Du, komm her!
Mach Licht!«
Und horchte. Lange, lange blieb es still,
und meine Kissen fühlte ich versteinen, –
dann wars, als säh ich etwas scheinen:
das war der Mutter wehes Weinen,
an das ich nicht mehr denken will.
Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum:
Der Raum ist eingefallen. Nimm den Raum
mir vom Gesicht und von der Brust.
Du mußt ihn heben, hochheben,
mußt ihn wieder den Sternen geben;
ich kann nicht leben so, mit dem Himmel auf mir.
Aber sprech ich zu dir, Mutter?
Oder zu wem denn? Wer ist denn dahinter?
Wer ist denn hinter dem Vorhang? – Winter?
Mutter: Sturm? Mutter: Nacht? Sag!
Oder: Tag?.......Tag!
Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein?
Fehl ich denn nirgends?
Fragt denn niemand nach mir?
Sind wir denn ganz vergessen?
Wir?.......Aber du bist ja dort;
du hast ja noch alles, nicht?
Um dein Gesicht sind noch alle Dinge bemüht,
ihm wohlzutun.
Wenn deine Augen ruhn
und wenn sie noch so müd waren,
sie können wieder steigen.
... Meine schweigen.
Meine Blumen werden die Farbe verlieren.
Meine Spiegel werden zufrieren.
In meinen Büchern werden die Zeilen verwachsen.
Meine Vögel werden in den Gassen
herumflattern und sich an fremden Fenstern verwunden.
Nichts ist mehr mit mir verbunden.
Ich bin von allem verlassen. –
Ich bin eine Insel.
Der Fremde:
Und ich bin über das Meer gekommen.
Die Blinde:
Wie? Auf die Insel?... Hergekommen?
Der Fremde:
Ich bin noch im Kahne.
Ich habe ihn leise angelegt –
an dich. Er ist bewegt:
seine Fahne weht landein.
Die Blinde:
Ich bin eine Insel und allein.
Ich bin reich. –
Zuerst, als die alten Wege noch waren
in meinen Nerven, ausgefahren
von vielem Gebrauch:
da litt ich auch.
Alles ging mir aus dem Herzen fort,
ich wußte erst nicht wohin;
aber dann fand ich sie alle dort,
alle Gefühle, das, was ich bin,
stand versammelt und drängte und schrie
an den vermauerten Augen, die sich nicht rührten.
Alle meine verführten Gefühle...
Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen,
aber ich weiß von den Wochen,
da sie alle zurückkamen gebrochen
und niemanden erkannten.
Dann wuchs der Weg zu den Augen zu.
Ich weiß ihn nicht mehr.
Jetzt geht alles in mir umher,
sicher und sorglos; wie Genesende
gehn die Gefühle, genießend das Gehn,
durch meines Leibes dunkles Haus.
Einige sind Lesende
über Erinnerungen;
aber die jungen
sehn alle hinaus.
Denn wo sie hintreten an meinen Rand,
ist mein Gewand von Glas.
Meine Stirne sieht, meine Hand las
Gedichte in anderen Händen.
Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt,
meine Stimme nimmt jeder Vogel mit
aus den täglichen Wänden.
Ich muß nichts mehr entbehren jetzt,
alle Farben sind übersetzt
in Geräusch und Geruch.
Und sie klingen unendlich schön
als Töne.
Was soll mir ein Buch?
In den Bäumen blättert der Wind;
und ich weiß, was dorten für Worte sind,
und wiederhole sie manchmal leis.
Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht,
findet meine Augen nicht.....
Der Fremde leise:
Ich weiß.
 
Requiem
Clara Westhoff gewidmet

Seit einer Stunde ist um ein Ding mehr

auf Erden. Mehr um einen Kranz.

Vor einer Weile war das leichtes Laub... Ich wands:

Und jetzt ist dieser Efeu seltsam schwer

und so von Dunkel voll, als tränke er

aus meinen Dingen zukünftige Nächte.

Jetzt graut mir fast vor dieser nächsten Nacht,

allein mit diesem Kranz, den ich gemacht,

nicht ahnend, daß da etwas wird,

wenn sich die Ranken ründen um den Reifen;

ganz nur bedürftig, dieses zu begreifen:

daß etwas nichtmehr sein kann.Wie verirrt

in nie betretene Gedanken, darinnen wunderliche Dinge stehn,

die ich schon einmal gesehen haben muß...


.... Flußabwärts treiben die Blumen, welche die Kinder gerissen haben im Spiel;

aus den offenen Fingern fiel eine und eine, bis daß der Strauß nicht mehr zu erkennen war.

Bis der Rest, den sie nach haus gebracht, gerade gut zum Verbrennen war.

Dann konnte man ja die ganze Nacht, wenn einen alle schlafen meinen, um die gebrochenen Blumen weinen.

Gretel, von allem Anbeginn

war dir bestimmt, sehr zeitig zu sterben,

blond zu sterben.

Lange schon, eh dir zu leben bestimmt war.

Darum stellte der Herr eine Schwester vor dich

und dann einen Bruder,

damit vor dir wären zwei Nahe, zwei Reine,

welche das Sterben dir zeigten,

das deine:

dein Sterben.

Deine Geschwister wurden erfunden,

nur, damit du dich dran gewöhntest,

und dich an zweien Sterbestunden

mit der dritten versöhntest,

die dir seit Jahrtausenden droht.

Für deinen Tod

sind Leben erstanden;

Hände, welche Blüten banden,

Blicke, welche die Rosen rot

und die Menschen mächtig empfanden,

hat man gebildet und wieder vernichtet

und hat zweimal das Sterbengedichtet,

eh es, gegen dich selbst gerichtet,

aus der verloschenen Bühne trat.

... Nahte es dir schrecklich, geliebte Gespielin?

war es dein Feind?

Hast du dich ihm ans Herz geweint?

Hat es dich aus den heißen Kissen

in die flackernde Nacht gerissen,

in der niemand schlief im ganzen Haus...?

Wie sah es aus?

Du mußt es wissen...

Du bist dazu in die Heimat gereist.

Du weißt

wie die Mandeln blühn

und daß Seeen blau sind.

Viele Dinge, die nur im Gefühle der Frau sind

welche die erste Liebe erfuhr, –

weißt du. Dir flüsterte die Natur

in des Südens spätdämmernden Tagen

so unendliche Schönheit ein,

wie sonst nur selige Lippen sie sagen

seliger Menschen, die zu zwein

eineWelt haben undeineStimme –

leiser hast du das alles gespürt, –

(o wie hat das unendlich Grimme

deine unendliche Demut berührt).

Deine Briefe kamen von Süden,

warm noch von Sonne, aber verwaist, –

endlich bist du selbst deinen müden

bittenden Briefen nachgereist;

denn du warst nicht gerne im Glanze,

jede Farbe lag auf dir wie Schuld,

und du lebtest in Ungeduld,

denn du wußtest: das ist nichtdas Ganze.

Leben ist nur ein Teil......... Wovon?

Leben ist nur ein Ton......... Worin?

Leben hat Sinn nur, verbunden mit vielen

Kreisen des weithin wachsenden Raumes, –

Leben ist so nur der Traum eines Traumes,

aber Wachsein ist anderswo.

So ließest du's los.

Groß ließest du's los.

Und wir kannten dich klein.

Dein war so wenig: ein Lächeln, ein kleines,

ein bißchen melancholisch schon immer,

sehr sanftes Haar und ein kleines Zimmer,

das dir seit dem Tode der Schwester weitwar.

Als ob alles andere nur dein Kleid war

so scheint es mir jetzt, du stilles Gespiel.

Abersehr viel

warst du. Und wir wußtens manchmal,

wenn du am Abend kamst in den Saal;

wußten manchmal: jetzt müßte man beten;

eine Menge ist eingetreten,

eine Menge, welche dir nachgeht,

weil du den Weg weißt.

Und du hast ihn wissen gemußt

und hast ihn gewußt

gestern... jüngste der Schwestern.

Sieh her,

dieser Kranz ist so schwer.

Und sie werden ihn auf dich legen,

diesen schweren Kranz.

Kanns dein Sarg aushalten?

Wenn er bricht

unter dem schwarzen Gewicht,

kriecht in die Falten

von deinem Kleid

Efeu.

Weit rankt er hinauf,

rings rankt er dich um,

und der Saft, der sich in seinen Ranken bewegt,

regt dich auf mit seinem Geräusch;

so keusch bist du.

Aber du bist nichtmehr zu.

Langgedehnt bist du und laß.

Deines Leibes Türen sind angelehnt,

und naß

tritt der Efeu ein...

wie Reihn

von Nonnen,

die sich führen

an schwarzem Seil,

weil es dunkel ist in dir, du Bronnen.

In den leeren Gängen

deines Blutes drängen sie zu deinem Herzen;

wo sonst deine sanften Schmerzen

sich begegneten mit bleichen

in das Herz, das, ganz verklungen,

dunkel, allen offen steht.

Aber dieser Kranz ist schwer

mir im Licht,

nur unter Lebenden, hier bei mir;

und sein Gewicht

ist nicht mehr

wenn ich ihn, zu dir legen werde.

schwer von den Gängen,

die ich um ihn getan;

Ängste aller, welche ihn sahn,

haften daran.

Nimm ihn zu dir, denn er ist dein

seit er ganz fertig ist.

Nimm ihn von mir.

Laß mich allein! Er ist wie ein Gast...

fast schäm ich mich seiner.

Hast du auch Furcht, Gretel?

Du kannst nicht mehr gehn?

Kannst nicht mehr bei mir in der Stube stehn?

Tun dir die Füße weh?

So bleib wo jetzt alle beisammen sind,

man wird ihn dir morgen bringen, mein Kind,

durch die entlaubte Allee.

Man wird ihn dir bringen, warte getrost, –

man bringt dir morgen noch mehr.

Wenn es auch morgen tobt und tost,

das schadet den Blumen nicht sehr.

Man wird sie dir bringen. Du hast das Recht,

sie sicher zu haben, mein Kind,

und wenn sie auch morgen schwarz und schlecht

und lange vergangen sind.

Sei deshalb nicht bange. Du wirst nicht mehr

unterscheiden, was steigt oder sinkt;

die Farben sind zu und die Töne sind leer,

und du wirst auch gar nicht mehr wissen, wer

dir alle die Blumen bringt.

Jetzt weißt dudas Andre, das uns verstößt,

so oft wir's im Dunkel erfaßt;

von dem, was dusehntest, bist du erlöst

zu etwas, was duhast.

Unter uns warst du von kleiner Gestalt,

vielleicht bist du jetzt ein erwachsener Wald

mit Winden und Stimmen im Laub. –

Glaub mir, Gespiel, dir geschah nicht Gewalt:

Dein Tod war schon alt,

alt dein Leben begann;

drum griff er es an,

damit es ihn nicht überlebte.

Schwebte etwas um mich?

Trat Nachtwind herein?

Ich bebte nicht.

Ich bin stark und allein. –

Was hab ich heute geschafft?

....Efeulaub holt ich am Abend und wands

und bog es zusammen, bis es ganz gehorchte.

Noch glänzt es mit schwarzem Glanz.

Und meine Kraft

kreist in dem Kranz.

Schlußstück


Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen

lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen,

wagt er zu weinen

mitten in uns.

Ende

Das Lied des Selbstmörders

Also noch einen Augenblick.

Daß sie mir immer wieder den Strick

zerschneiden.

Neulich war ich so gut bereit

und es war schon ein wenig Ewigkeit

in meinen Eingeweiden.

Halten sie mir den Löffel her,

diesen Löffel Leben.

Nein ich will und ich will nicht mehr,

laßt mich mich übergeben.

Ich weiß das Leben ist gar und gut

und die Welt ist ein voller Topf,

aber mir geht es nicht ins Blut,

mir steigt es nur zu Kopf.

Andere nährt es, mich macht es krank;

begreift, daß man's verschmäht.

Mindestens ein Jahrtausend lang

brauch ich jetzt Diät.

Das Lied der Witwe


Am Anfang war mir das Leben gut.

Es hielt mich warm, es machte mir Mut

Daß es das allen Jungen tut,

wie konnt ich das damals wissen.

Ich wußte nicht, was das Leben war –,

auf einmal war es nur Jahr und Jahr,

nicht mehr gut, nicht mehr neu, nicht mehr wunderbar,

wie mitten entzwei gerissen.

Das war nicht Seine, nicht meine Schuld;

wir hatten beide nichts als Geduld,

aber der Tod hat keine.

Ich sah ihn kommen (wie schlecht er kam),

und ich schaute ihm zu wie er nahm und nahm:

es war ja gar nicht das Meine.

Was war denn das Meine; Meines, Mein?

War mir nicht selbst mein Elendsein

nur vom Schicksal geliehn?

Das Schicksal will nicht nur das Glück,

es will die Pein und das Schrein zurück

und es kauft für alt den Ruin.

Das Schicksal war da und erwarb für ein Nichts

jeden Ausdruck meines Gesichts

bis auf die Art zu gehn.

Das war ein täglicher Ausverkauf

und als ich leer war, gab es mich auf

und ließ mich offen stehn.

Das Lied des Idioten


Sie hindern mich nicht. Sie lassen mich gehn.

Sie sagen es könne nichts geschehn.

Wie gut.

Es kann nichts geschehn. Alles kommt und kreist

immerfort um den heiligen Geist,

um den gewissen Geist (du weißt) –,

wie gut.

Nein man muß wirklich nicht meinen es sei

irgend eine Gefahr dabei.

Da ist freilich das Blut.

Das Blut ist das Schwerste. Das Blut ist schwer.

Manchmal glaub ich, ich kann nicht mehr –.

(Wie gut.)

Ah was ist das für ein schöner Ball;

rot und rund wie ein Überall.

Gut, daß ihr ihn erschuft.

Ob der wohl kommt wenn man ruft?

Wie sich das alles seltsam benimmt,

ineinandertreibt, auseinanderschwimmt:

freundlich, ein wenig unbestimmt.

Wie gut.

Des Lied der Waise


Ich bin Niemand und werde auch Niemand sein.

Jetzt bin ich ja zum Sein noch zu klein;

aber auch später.

Mütter und Väter,

erbarmt euch mein.

Zwar es lohnt nicht des Pflegens Müh:

ich werde doch gemäht.

Mich kann keiner brauchen: jetzt ist es zu früh

und morgen ist es zu spät.

Ich habe nur dieses eine Kleid,

es wird dünn und es verbleicht,

aber es hält eine Ewigkeit

auch noch vor Gott vielleicht.

Ich habe nur dieses bißchen Haar

(immer dasselbe blieb),

das einmal Eines Liebstes war.

Nun hat er nichts mehr lieb.

Das Lied des Zwerges


Meine Seele ist vielleicht grad und gut;

aber mein Herz, mein verbogenes Blut,

alles das, was mir wehe tut,

kann sie nicht aufrecht tragen.

Sie hat keinen Garten, sie hat kein Bett,

sie hängt an meinem scharfen Skelett

mit entsetztem Flügelschlagen.

Aus meinen Händen wird auch nichts mehr.

Wie verkümmert sie sind: sieh her:

zähe hüpfen sie, feucht und schwer,

wie kleine Kröten nach Regen.

Und das Andre an mir ist

abgetragen und alt und trist;

warum zögert Gott, auf den Mist

alles das hinzulegen.

Ob er mir zürnt für mein Gesicht

mit dem mürrischen Munde?

Es war ja so oft bereit, ganz licht

und klar zu werden im Grunde;

aber nichts kam ihm je so dicht

wie die großen Hunde.

Und die Hunde haben das nicht.

Das Lied des Aussätzigen


Sieh ich bin einer, den alles verlassen hat.

Keiner weiß in der Stadt von mir,

Aussatz hat mich befallen.

Und ich schlage mein Klapperwerk,

klopfe mein trauriges Augenmerk

in die Ohren allen

die nahe vorübergehn.

Und die es hölzern hören, sehn

erst gar nicht her, und was hier geschehn

wollen sie nicht erfahren.

Soweit der Klang meiner Klapper reicht

bin ich zuhause; aber vielleicht

machst Du meine Klapper so laut,

daß sich keiner in meine Ferne traut

der mir jetzt aus der Nähe weicht.

So daß ich sehr lange gehen kann

ohne Mädchen, Frau oder Mann

oder Kind zu entdecken.

Tiere will ich nicht schrecken.

Von den Fontänen


Auf einmal weiß ich viel von den Fontänen,

den unbegreiflichen Bäumen aus Glas.

Ich könnte reden wie von eignen Tränen,

die ich, ergriffen von sehr großen Träumen,

einmal vergeudete und dann vergaß.

Vergaß ich denn, daß Himmel Hände reichen

zu vielen Dingen und in das Gedränge?

Sah ich nicht immer Großheit ohnegleichen

im Aufstieg alter Parke, vor den weichen

erwartungsvollen Abenden, – in bleichen

aus fremden Mädchen steigenden Gesängen,

die überfließen aus der Melodie

und wirklich werden und als müßten sie

sich spiegeln in den aufgetanen Teichen?

Ich muß mich nur erinnern an das Alles,

was an Fontänen und an mir geschah, –

dann fühl ich auch die Last des Niederfalles,

in welcher ich die Wasser wiedersah:

Und weiß von Zweigen, die sich abwärts wandten,

von Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten,

von Teichen, welche nur die Uferkanten

schwachsinnig und verschoben wiederholten,

von Abendhimmeln, welche von verkohlten

westlichen Wäldern ganz entfremdet traten

sich anders wölbten, dunkelten und taten

als wär das nicht die Welt, die sie gemeint...

Vergaß ich denn, daß Stern bei Stern versteint

und sich verschließt gegen die Nachbargloben?

Daß sich die Welten nur noch wie verweint

im Raum erkennen? – Vielleicht sind wiroben,

in Himmel andrer Wesen eingewoben,

die zu uns aufschaun abends. Vielleicht loben

uns ihre Dichter. Vielleicht beten viele

zu uns empor. Vielleicht sind wir die Ziele

von fremden Flüchen, die uns nie erreichen,

Nachbaren eines Gottes, den sie meinen

in unsrer Höhe, wenn sie einsam weinen,

an den sie glauben und den sie verlieren,

und dessen Bildnis, wie ein Schein aus ihren

suchenden Lampen, flüchtig und verweht,

über unsere zerstreuten Gesichter geht....

Der Lesende


Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag,

mit Regen rauschend, an den Fenstern lag.

Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr:

mein Buch war schwer.

Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen,

die dunkel werden von Nachdenklichkeit,

und um mein Lesen staute sich die Zeit. –

Auf einmal sind die Seiten überschienen,

und statt der bangen Wortverworrenheit

steht: Abend, Abend... überall auf ihnen.

Ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen

die langen Zeilen, und die Worte rollen

von ihren Fäden fort, wohin sie wollen...

Da weiß ich es: über den übervollen

glänzenden Gärten sind die Himmel weit;

die Sonne hat noch einmal kommen sollen. –

Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht:

zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute,

dunkel, auf langen Wegen, gehn die Leute,

und seltsam weit, als ob es mehr bedeute,

hört man das Wenige, das noch geschieht.

Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe,

wird nichts befremdlich sein und alles groß.

Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe,

und hier und dort ist alles grenzenlos;

nur daß ich mich noch mehr damit verwebe,

wenn meine Blicke an die Dinge passen

und an die ernste Einfachheit der Massen, –

da wächst die Erde über sich hinaus.

Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen:

der erste Stern ist wie das letzte Haus.

Der Schauende


Ich sehe den Bäumen die Stürme an,

die aus laugewordenen Tagen

an meine ängstlichen Fenster schlagen,

und höre die Fernen Dinge sagen,

die ich nicht ohne Freund ertragen,

nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,

geht durch den Wald und durch die Zeit,

und alles ist wie ohne Alter:

die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,

ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,

was mit uns ringt, wie ist das groß;

ließen wir, ähnlicher den Dingen,

unssovom großen Sturm bezwingen, –

wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine,

und der Erfolg selbst macht uns klein.

Das Ewige und Ungemeine

willnicht von uns gebogen sein.

Das ist der Engel, der den Ringern

des Alten Testaments erschien:

wenn seiner Widersacher Sehnen

im Kampfe sich metallen dehnen,

fühlt er sie unter seinen Fingern

wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand,

welcher so oft auf Kampf verzichtet,

dergeht gerecht und aufgerichtet

und groß aus jener harten Hand,

die sich, wie formend, an ihn schmiegte.

Die Siege laden ihn nicht ein.

Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte

von immer Größerem zu sein.

Aus einer Sturmnacht


Die Nacht, vom wachsenden Sturme bewegt,

wie wird sie auf einmal weit – ,

als bliebe sie sonst zusammengelegt

in die kleinlichen Falten der Zeit.

Wo die Sterne ihr wehren, dort endet sie nicht

und beginnt nicht mitten im Wald

und nicht an meinem Angesicht

und nicht mit deiner Gestalt.

Die Lampen stammeln und wissen nicht:

lügenwir Licht?

Ist die Nacht die einzige Wirklichkeit

seit Jahrtausenden...

In solchen Nächten kannst du in den Gassen

Zukünftigen begegnen, schmalen blassen

Gesichtern, die dich nicht erkennen

und dich schweigend vorüberlassen.

Aber wenn sie zu reden begännen,

wärst du ein Langevergangener

wie du da stehst,

langeverwest.

Doch sie bleiben im Schweigen wie Tote,

obwohl sie die Kommenden sind.

Zukunft beginnt noch nicht.

Sie halten nur ihr Gesicht in die Zeit

und können, wie unter Wasser, nicht schauen;

und ertragen sie's doch eine Weile,

sehn sie wie unter den Wellen: die Eile

von Fischen und das Tauchen von Tauen.

In solchen Nächten gehn die Gefängnisse auf.

Und durch die bösen Träume der Wächter

gehn mit leisem Gelächter

die Verächter ihrer Gewalt.

Wald! Sie kommen zu dir, um in dir zu schlafen,

mit ihren langen Strafen behangen.

Wald!

In solchen Nächten ist auf einmal Feuer

in einer Oper. Wie ein Ungeheuer

beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen

Tausende, die sich in ihm drängen,

zu kauen.

Männer und Frauen

staun sich in den Gängen,

und wie sich alle aneinander hängen,

bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit.

Und niemand weiß mehrwerganz unten litt;

während ihm einer schon das Herz zertritt,

sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen,

die dazu hingehn...

In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen,

fangen dieHerzenin den Sarkophagen

vergangner Fürsten wieder an zu gehn;

und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen

gegen die Kapseln, welche widerstehn,

daß sie die goldnen Schalen weitertragen

durch Dunkel und Damaste, die zerfallen.

Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen.

Die Glocken, die sich in die Türme krallen,

hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen,

und an den Trägern zittert jedes Glied:

als trügen seinen gründenden Granit

blinde Schildkröten, die sich rühren.

In solchen Nächten wissen die Unheilbaren:

wir waren...

Und sie denken unter den Kranken

einen einfachen guten Gedanken

weiter, dort, wo er abbrach.

Doch von den Söhnen, die sie gelassen,

geht der Jüngste vielleicht in den einsamsten Gassen;

denn geradedieseNächte

sind ihm als ob er zum ersten Mal dächte:

lange lag es über ihm bleiern,

aber jetzt wird sich alles entschleiern –,

und: daß er das feiern wird,

fühlt er...

In solchen Nächten sind alle die Städte gleich,

alle beflaggt.

Und an den Fahnen vom Sturm gepackt

und wie an Haaren hinausgerissen

in irgend ein Land mit ungewissen

Umrissen und Flüssen.

In allen Gärten ist dann ein Teich,

an jedem Teiche dasselbe Haus,

in jedem Hause dasselbe Licht;

und alle Menschen sehn ähnlich aus

und halten die Hände vorm Gesicht.

In solchen Nächten werden die Sterbenden klar,

greifen sich leise ins wachsende Haar,

dessen Halme aus ihres Schädels Schwäche

in diesen langen Tagentreiben,

als wollten sie über der Oberfläche

des Todes bleiben.

Ihre Gebärde geht durch das Haus

als wenn überall Spiegel hingen;

und sie geben – mit diesem Graben

in ihren Haaren – Kräfte aus,

die sie in Jahren gesammelt haben,

welchevergingen.

In solchen Nächten wächst mein Schwesterlein,

das vor mir war und vor mir starb, ganz klein.

Viel solche Nächte waren schon seither:

Sie muß schon schön sein. Bald wird irgendwer

sie frein.

Die Blinde


Der Fremde:

Du bist nicht bang, davon zu sprechen?

Die Blinde:

Nein.

Es ist so ferne. Das war eine andre.

Die damals sah, die laut und schauend lebte,

die starb.

Der Fremde:

Und hatte einen schweren Tod?

Die Blinde:

Sterben ist Grausamkeit an Ahnungslosen.

Stark muß man sein, sogar wenn Fremdes stirbt.

Der Fremde:

Sie war dir fremd?

Die Blinde:

– Oder: sie ists geworden.


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