Электронная библиотека » Rainer Maria » » онлайн чтение - страница 5

Текст книги "Das Buch der Bilder"


  • Текст добавлен: 28 августа 2016, 01:49


Автор книги: Rainer Maria


Жанр: Зарубежная старинная литература, Зарубежная литература


сообщить о неприемлемом содержимом

Текущая страница: 5 (всего у книги 5 страниц)

Шрифт:
- 100% +

Der Tod entfremdet selbst dem Kind die Mutter. –

Doch es war schrecklich in den ersten Tagen.

Am ganzen Leibe war ich wund. Die Welt,

die in den Dingen blüht und reift,

war mit den Wurzeln aus mir ausgerissen,

mit meinem Herzen (schien mir), und ich lag

wie aufgewühlte Erde offen da und trank

den kalten Regen meiner Tränen,

der aus den toten Augen unaufhörlich

und leise strömte, wie aus leeren Himmeln,

wenn Gott gestorben ist, die Wolken fallen.

Und mein Gehör war groß und allem offen.

Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind:

die Zeit, die über meine Haare floß,

die Stille, die in zarten Gläsern klang, –

und fühlte: nah bei meinen Händen ging

der Atem einer großen weißen Rose.

Und immer wieder dacht ich: Nacht und: Nacht

und glaubte einen hellen Streif zu sehn,

der wachsen würde wie ein Tag;

und glaubte auf den Morgen zuzugehn,

der längst in meinen Händen lag.

Die Mutter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer

hinunterfiel vom dunklen Gesicht,

der Mutter rief ich: »Du, komm her!

Mach Licht!«

Und horchte. Lange, lange blieb es still,

und meine Kissen fühlte ich versteinen, –

dann wars, als säh ich etwas scheinen:

das war der Mutter wehes Weinen,

an das ich nicht mehr denken will.

Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum:

Der Raum ist eingefallen. Nimm den Raum

mir vom Gesicht und von der Brust.

Du mußt ihn heben, hochheben,

mußt ihn wieder den Sternen geben;

ich kann nicht leben so, mit dem Himmel auf mir.

Aber sprech ich zu dir, Mutter?

Oder zu wem denn? Wer ist denn dahinter?

Wer ist denn hinter dem Vorhang? – Winter?

Mutter: Sturm? Mutter: Nacht? Sag!

Oder: Tag?.......Tag!

Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein?

Fehl ich denn nirgends?

Fragt denn niemand nach mir?

Sind wir denn ganz vergessen?

Wir?.......Aber du bist ja dort;

du hast ja noch alles, nicht?

Um dein Gesicht sind noch alle Dinge bemüht,

ihm wohlzutun.

Wenn deine Augen ruhn

und wenn sie noch so müd waren,

sie können wieder steigen.

... Meine schweigen.

Meine Blumen werden die Farbe verlieren.

Meine Spiegel werden zufrieren.

In meinen Büchern werden die Zeilen verwachsen.

Meine Vögel werden in den Gassen

herumflattern und sich an fremden Fenstern verwunden.

Nichts ist mehr mit mir verbunden.

Ich bin von allem verlassen. –

Ich bin eine Insel.

Der Fremde:

Und ich bin über das Meer gekommen.

Die Blinde:

Wie? Auf die Insel?... Hergekommen?

Der Fremde:

Ich bin noch im Kahne.

Ich habe ihn leise angelegt –

an dich. Er ist bewegt:

seine Fahne weht landein.

Die Blinde:

Ich bin eine Insel und allein.

Ich bin reich. –

Zuerst, als die alten Wege noch waren

in meinen Nerven, ausgefahren

von vielem Gebrauch:

da litt ich auch.

Alles ging mir aus dem Herzen fort,

ich wußte erst nicht wohin;

aber dann fand ich sie alle dort,

alle Gefühle, das, was ich bin,

stand versammelt und drängte und schrie

an den vermauerten Augen, die sich nicht rührten.

Alle meine verführten Gefühle...

Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen,

aber ich weiß von den Wochen,

da sie alle zurückkamen gebrochen

und niemanden erkannten.

Dann wuchs der Weg zu den Augen zu.

Ich weiß ihn nicht mehr.

Jetzt geht alles in mir umher,

sicher und sorglos; wie Genesende

gehn die Gefühle, genießend das Gehn,

durch meines Leibes dunkles Haus.

Einige sind Lesende

über Erinnerungen;

aber die jungen

sehn alle hinaus.

Denn wo sie hintreten an meinen Rand,

ist mein Gewand von Glas.

Meine Stirne sieht, meine Hand las

Gedichte in anderen Händen.

Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt,

meine Stimme nimmt jeder Vogel mit

aus den täglichen Wänden.

Ich muß nichts mehr entbehren jetzt,

alle Farben sind übersetzt

in Geräusch und Geruch.

Und sie klingen unendlich schön

als Töne.

Was soll mir ein Buch?

In den Bäumen blättert der Wind;

und ich weiß, was dorten für Worte sind,

und wiederhole sie manchmal leis.

Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht,

findet meine Augen nicht.....

Der Fremde leise:

Ich weiß.

Requiem

Clara Westhoff gewidmet

Seit einer Stunde ist um ein Ding mehr

auf Erden. Mehr um einen Kranz.

Vor einer Weile war das leichtes Laub... Ich wands:

Und jetzt ist dieser Efeu seltsam schwer

und so von Dunkel voll, als tränke er

aus meinen Dingen zukünftige Nächte.

Jetzt graut mir fast vor dieser nächsten Nacht,

allein mit diesem Kranz, den ich gemacht,

nicht ahnend, daß da etwas wird,

wenn sich die Ranken ründen um den Reifen;

ganz nur bedürftig, dieses zu begreifen:

daß etwas nichtmehr sein kann.Wie verirrt

in nie betretene Gedanken, darinnen wunderliche Dinge stehn,

die ich schon einmal gesehen haben muß...

.... Flußabwärts treiben die Blumen, welche die Kinder gerissen haben im Spiel;

aus den offenen Fingern fiel eine und eine, bis daß der Strauß nicht mehr zu erkennen war.

Bis der Rest, den sie nach haus gebracht, gerade gut zum Verbrennen war.

Dann konnte man ja die ganze Nacht, wenn einen alle schlafen meinen, um die gebrochenen Blumen weinen.

Gretel, von allem Anbeginn

war dir bestimmt, sehr zeitig zu sterben,

blond zu sterben.

Lange schon, eh dir zu leben bestimmt war.

Darum stellte der Herr eine Schwester vor dich

und dann einen Bruder,

damit vor dir wären zwei Nahe, zwei Reine,

welche das Sterben dir zeigten,

das deine:

dein Sterben.

Deine Geschwister wurden erfunden,

nur, damit du dich dran gewöhntest,

und dich an zweien Sterbestunden

mit der dritten versöhntest,

die dir seit Jahrtausenden droht.

Für deinen Tod

sind Leben erstanden;

Hände, welche Blüten banden,

Blicke, welche die Rosen rot

und die Menschen mächtig empfanden,

hat man gebildet und wieder vernichtet

und hat zweimal das Sterbengedichtet,

eh es, gegen dich selbst gerichtet,

aus der verloschenen Bühne trat.

... Nahte es dir schrecklich, geliebte Gespielin?

war es dein Feind?

Hast du dich ihm ans Herz geweint?

Hat es dich aus den heißen Kissen

in die flackernde Nacht gerissen,

in der niemand schlief im ganzen Haus...?

Wie sah es aus?

Du mußt es wissen...

Du bist dazu in die Heimat gereist.

Du weißt

wie die Mandeln blühn

und daß Seeen blau sind.

Viele Dinge, die nur im Gefühle der Frau sind

welche die erste Liebe erfuhr, –

weißt du. Dir flüsterte die Natur

in des Südens spätdämmernden Tagen

so unendliche Schönheit ein,

wie sonst nur selige Lippen sie sagen

seliger Menschen, die zu zwein

eineWelt haben undeineStimme –

leiser hast du das alles gespürt, –

(o wie hat das unendlich Grimme

deine unendliche Demut berührt).

Deine Briefe kamen von Süden,

warm noch von Sonne, aber verwaist, –

endlich bist du selbst deinen müden

bittenden Briefen nachgereist;

denn du warst nicht gerne im Glanze,

jede Farbe lag auf dir wie Schuld,

und du lebtest in Ungeduld,

denn du wußtest: das ist nichtdas Ganze.

Leben ist nur ein Teil......... Wovon?

Leben ist nur ein Ton......... Worin?

Leben hat Sinn nur, verbunden mit vielen

Kreisen des weithin wachsenden Raumes, –

Leben ist so nur der Traum eines Traumes,

aber Wachsein ist anderswo.

So ließest du's los.

Groß ließest du's los.

Und wir kannten dich klein.

Dein war so wenig: ein Lächeln, ein kleines,

ein bißchen melancholisch schon immer,

sehr sanftes Haar und ein kleines Zimmer,

das dir seit dem Tode der Schwester weitwar.

Als ob alles andere nur dein Kleid war

so scheint es mir jetzt, du stilles Gespiel.

Abersehr viel

warst du. Und wir wußtens manchmal,

wenn du am Abend kamst in den Saal;

wußten manchmal: jetzt müßte man beten;

eine Menge ist eingetreten,

eine Menge, welche dir nachgeht,

weil du den Weg weißt.

Und du hast ihn wissen gemußt

und hast ihn gewußt

gestern... jüngste der Schwestern.

Sieh her,

dieser Kranz ist so schwer.

Und sie werden ihn auf dich legen,

diesen schweren Kranz.

Kanns dein Sarg aushalten?

Wenn er bricht

unter dem schwarzen Gewicht,

kriecht in die Falten

von deinem Kleid

Efeu.

Weit rankt er hinauf,

rings rankt er dich um,

und der Saft, der sich in seinen Ranken bewegt,

regt dich auf mit seinem Geräusch;

so keusch bist du.

Aber du bist nichtmehr zu.

Langgedehnt bist du und laß.

Deines Leibes Türen sind angelehnt,

und naß

tritt der Efeu ein...

wie Reihn

von Nonnen,

die sich führen

an schwarzem Seil,

weil es dunkel ist in dir, du Bronnen.

In den leeren Gängen

deines Blutes drängen sie zu deinem Herzen;

wo sonst deine sanften Schmerzen

sich begegneten mit bleichen

in das Herz, das, ganz verklungen,

dunkel, allen offen steht.

Aber dieser Kranz ist schwer

mir im Licht,

nur unter Lebenden, hier bei mir;

und sein Gewicht

ist nicht mehr

wenn ich ihn, zu dir legen werde.

schwer von den Gängen,

die ich um ihn getan;

Ängste aller, welche ihn sahn,

haften daran.

Nimm ihn zu dir, denn er ist dein

seit er ganz fertig ist.

Nimm ihn von mir.

Laß mich allein! Er ist wie ein Gast...

fast schäm ich mich seiner.

Hast du auch Furcht, Gretel?

Du kannst nicht mehr gehn?

Kannst nicht mehr bei mir in der Stube stehn?

Tun dir die Füße weh?

So bleib wo jetzt alle beisammen sind,

man wird ihn dir morgen bringen, mein Kind,

durch die entlaubte Allee.

Man wird ihn dir bringen, warte getrost, –

man bringt dir morgen noch mehr.

Wenn es auch morgen tobt und tost,

das schadet den Blumen nicht sehr.

Man wird sie dir bringen. Du hast das Recht,

sie sicher zu haben, mein Kind,

und wenn sie auch morgen schwarz und schlecht

und lange vergangen sind.

Sei deshalb nicht bange. Du wirst nicht mehr

unterscheiden, was steigt oder sinkt;

die Farben sind zu und die Töne sind leer,

und du wirst auch gar nicht mehr wissen, wer

dir alle die Blumen bringt.

Jetzt weißt dudas Andre, das uns verstößt,

so oft wir's im Dunkel erfaßt;

von dem, was dusehntest, bist du erlöst

zu etwas, was duhast.

Unter uns warst du von kleiner Gestalt,

vielleicht bist du jetzt ein erwachsener Wald

mit Winden und Stimmen im Laub. –

Glaub mir, Gespiel, dir geschah nicht Gewalt:

Dein Tod war schon alt,

alt dein Leben begann;

drum griff er es an,

damit es ihn nicht überlebte.

Schwebte etwas um mich?

Trat Nachtwind herein?

Ich bebte nicht.

Ich bin stark und allein. –

Was hab ich heute geschafft?

....Efeulaub holt ich am Abend und wands

und bog es zusammen, bis es ganz gehorchte.

Noch glänzt es mit schwarzem Glanz.

Und meine Kraft

kreist in dem Kranz.

Schlußstück
 
Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
 

Ende


Страницы книги >> Предыдущая | 1 2 3 4 5

Правообладателям!

Это произведение, предположительно, находится в статусе 'public domain'. Если это не так и размещение материала нарушает чьи-либо права, то сообщите нам об этом.


  • 0 Оценок: 0
Популярные книги за неделю


Рекомендации